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Es war so naiv zu glauben, man wanderte einfach aus und alles würde gut werden. Ich weiß nicht, weshalb ich dachte, hier könnte mir nichts Schlimmes mehr passieren und welche Hoffnungen ich hatte. Vielleicht hier die Liebe des Lebens zu finden, Leichtigkeit und Glück war es, was ich wollte. Glück kann ich aber nie empfinden, jeden Moment durchzieht Misstrauen und nur rückblickend erscheint mir Gelebtes als glücklich, denke ich, wäre es wert gewesen, zu bleiben. Von Brüssel ging ich weg, weil ich glaubte, das Leben dort würde mich vernichten, von T. ging ich weg, weil ich glaubte, ich würde sonst sterben. Ich bin immer abgehauen, anstatt Konflikte anzugehen und nun sitze ich in der Sackgasse, einsamer als jemals zuvor. Dass meine Texte, die ich ja offensichtlich für gut hielt, da ich sie ja sonst nicht eingereicht hätte, nicht abgedruckt werden, dass ich hier allgemein einfach keinen Fuß fassen kann, dass ich nicht glücklich bin, scheint das alles nur zu bestätigen. Jedoch ist auch die Energie, der Glaube, dass es irgendwann irgendwo doch noch besser würde, dass ich mich nur finden müsste, erloschen. Ich war eine wild brennende Kerze, nun bin ich ein Häufchen Elend und niemand hat jemals gesehen und wird sich daran erinnern, dass ich mal leuchtete. Das ist auch alles kein Selbstmitleid, sondern Realität und das ist das bittere daran. Früher schrieb ich so etwas stets mit dem Glauben daran, dass mich irgendwann doch jemand leuchten sehen würde. Nun tröstet auch der Blick auf den ruhigen Sichelmond nicht, der Blick auf jenen Mond, der mir früher so oft Trost gespendet hat; einen Trost, den viele vielleicht gar nicht nachvollziehen können, weil er so etwas Erhabenes ausstrahlte, so eine Sicherheit, so eine Gewissheit: Es ist schon alles gut und richtig. Eben dieses Gefühl vermag er mir nicht mehr zu geben, meine Romantik steht auf verlorenem Posten, ich muss ihr selbst kritisch gegenüber stehen, ich weiß nicht, wohin. Eine Stille um mich herum, die mich einsperrt in mir selbst. Und das ist wirklich was ich fühle, ich bin so altmodisch, ich bin nicht originell. Und ich habe eigentlich nur noch Sehnsucht nach Schlaf oder Liebe. Sich behaupten zu müssen, ist so anstrengend und es ist nicht einmal so, dass man jemanden hätte, der einem sagt, was man tun soll. Man muss selbst tun. Und ich weiß gar nicht mehr was ich überhaupt irgendwann einmal schreiben wollte. Schreiben war für mich immer unmittelbar verknüpft ans Leben. Ich kann nicht mal sagen, das ich hier weg will, mir ist jeglicher Wille gebrochen. Ich habe das Gefühl, ich werde hier vor mich hinvegetieren und sterben. Und ich weiß nicht, ob ich es mir nicht eingestehen will oder nicht eingestehen kann, dass ich seine Stimme vermisse, einfach nur seine Stimme und dass er dann meinen Namen sagt, so endgültig und so klar. Doch was mir Angst macht, ist die Zukunft, der Gedanke, wohl möglich ein ganzes Leben mit einem Menschen leben zu müssen, wo ich mir doch nicht mal des nächsten Tages sicher bin, wo man sich doch nicht mal sicher ist, ob man die nächsten Monate überstehen wird. Was bliebe dann, wenn nicht ein einziges großes Scheitern auf allen Ebenen? Und ich möchte all das vergessen, nicht an Beziehung oder Zukunft denken müssen, sondern einfach nur umarmt werden und dass dann nichts, nie wieder, wichtiger wäre.
25.5.12 22:44


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Gestern war wieder so ein durchwachsener Tag. Heute erfüllt mich eine träge Unruhe, etwas Angst, ein wenig Müdigkeit. Ich ging am Abend zu K. in die Bar. Es kam noch ein Schauspieler/Model/Jus-Student und ein weiterer Schriftsteller, sagen wir, Student, und die Runde wurde immer lebhafter und lustiger. Am Ende weiß ich nicht wie viel Aperol ich getrunken hatte, und K. sagte noch zu M.: "Pass mir gut auf sie auf und bring sie gut heim." Außerdem versuchte K. mich zu küssen und ich war irgendwie irritiert und irgendwie war es süß, wie lieb er sich dabei anstellte, bei meinem unwillkürlichen Zurückweichen vielleicht peinlich berührt, doch heute mit Sicherheit schon wieder vergessen. Die Leute fragen mich auch immer nach dem, was ich schreibe und es ist mir unangenehm, nichts vorzuweisen zu haben oder nichts vorweisen wollen. In der Tat kann ich es nicht anders sagen als dass all das Reden über "Was Literatur sein sollte", "Was ein Gedicht können sollte," "Wie man Sprache benutzen sollte", mich zutiefst verunsichert hat oder ist es nur die Tatsache, dass ich nun mit dem Schreiben, das für mich immer so etwas zutiefst Persönliches war, die Möglichkeit, mich zurückzuziehen, das Leben zu verarbeiten, an die Öffentlichkeit treten sollen, mich dazu bekennen soll, mich davon trennen soll, es vertreten können soll, es, ja, benutzen können soll, in gewisser Art und Weise. Oder ist es die Tatsache, dass ich von meinem eigenen Schreiben nicht im Geringsten überzeugt bin, es lächerlich finde oder kitschig oder uninteressant oder unwichtig, ja, vor allem lächerlich wohl, und kindisch.
25.5.12 12:13


Vermutlich gab er mir bei allem doch das Gefühl, geliebt zu sein und die Verarbeitung all dessen, das geschah, beginnt erst jetzt. Immer mehr erscheint es mir absurd, dass ich hier bin, dass ich der irrsinnigen Illusion anheim fiel, dieses Studium würde mich weiterbringen im Schreiben oder im Künstlerischen allgemein. Überall trifft man auf bereits festgefahrene Strukturen. Man müsste mit Energie und Ideen von außen kommen. Aber ich habe weder das eine noch das andere. Meine einzige Idee ist die Idee eines schönen Lebens, ich wünsche mir nicht mehr als Liebe und geliebt zu werden, ich wünsche mir ein einfaches Leben, sage ich so pauschal, einfach. Doch wie genau das aussehen soll, was jemals am Leben einfach sein kann, weiß ich nicht. Ich erfülle meine Pflicht, irgendwie seelenlos und es lässt sich nicht anders sagen: Ich tat einen schwerwiegenden Fehler, als ich aus Brüssel fortging. Nun bleibt mir nichts. Weder die Musik noch die Inspiration zum Schreiben noch ein Mensch, den ich liebe und der mich liebt. Mein Traum war ja auf all das zu scheißen und vollkommen frei zu sein, was auch immer das bedeuten mag. Irgendwann nach Brüssel zurück zu kehren und dort zu leben. Besser noch Paris. Und nun? Es bewegt sich alles so langsam oder gar nicht. Ein weiteres Jahr geht zu Ende, man steckt noch immer im selben Körper und der Kopf wird zunehmend müde. Und ich weiß, bei Gott, wirklich nicht, wie ich all das noch schaffen soll, wenn da niemand ist, der mich hält. Alle Fragen an mich, weiß ich nicht zu beantworten: Was ich mal will, ob ich Künstlerin sei, ob ich Pianistin sei ... Was bin ich denn? Und irgendwie muss ich noch das Objekt für die Ausstellung fertigstellen, lächerliche Bastelarbeit, so kommt es mir vor, in die man Geld investieren muss und ich muss Mozart und Beethoven üben, immer Mozart und Beethoven und schwerere, gewichtigere Stücke und diese Stücke, diese schweren, sind wie Steine in meinem Herzen. Und wenn ich den Menschen hier begegne, merke ich nur, dass gelebte Vergangenheit etwas ist, das von der Gegenwart trennt, wenn da niemand ist, mit dem man Vergangenes erlebte. Und so stagniert das Erleben und man beginnt, nur noch zu existieren, aber ohne Energie oder Ziel oder Willen.
24.5.12 13:54


Wenn ich aufwache, habe ich das Gefühl, jemand anderes zu sein oder nicht zu wissen, wer ich bin. Ich erwache nicht mit dem selben Gefühl, mit dem ich einschlief. Ich erwache sowieso scheinbar in einem ganz anderen, mir unverständlicheren Leben, begreife nicht, was ich hier tue, aber auch alles, das gestern geschah, erscheint mir nun rätselhaft. Allein die Gedanken an manche Aufgaben überfordern mich. Im Grunde genommen pendeln meine Gedanken zwischen gewissen Punkten hin und her und dies so beständig, dass mir schwindlig wird und ich die Orientierung verliere. Ich stehe nicht gerne früh auf, weil dann mehr vom Tag vor mir liegt. Ich freue mich immer aufs Ende des Tages, auf den Abend, auf die Nacht, in der ich in eine Phantasie hinübergleiten kann, in der ich träumen darf, in der meine Wünsche wieder wichtig werden. Immer wieder lese ich die Mail, in der er schreibt, dass er nun lernen muss, mich zu vergessen und den Kontakt nun endgültig abbrechen wird. Dass er mir etwas geben wollte, was ich nicht annehmen konnte oder wollte. Aber annehmen wollte ich ja. Nur sicher sein wollte ich, dass es auch wirklich das ist, sicher sein einfach. Ich lese die Mail und bleibe irritiert zurück. Irritiert darüber, dass man einfach so beschließen kann, einen Menschen nun endgültig zu vergessen. Irritiert über die Demütigung, die ich empfinde, wenn er schreibt: Vielleicht sehen wir uns im Juli noch ein letztes Mal - nur, um uns dann für immer aus den Augen zu verlieren. Dieser übertriebene Pathos, der mir schwer anlastet, den er schreibt, als könnte er in die Zukunft sehen, als wüsste er schon jetzt, dass ich es ihm niemals mehr wert sein werde, auch nur irgendwie Kontakt aufzunehmen, das Zunichtemachen jeder Chance. Aus allen Kämpfen mit ihm gehe ich verwundet hervor, bleibe verwundet auf der Strecke liegen, und er blickt nicht zurück. Am meisten hat mich sowieso irritiert, dass er behauptete, Katholik zu sein. Im Grunde genommen bin ich froh, dass es nun vorbei ist, verletzt bin ich nur, enttäuscht, entblößt gewesen zu sein, ihm mein Vertrauen geschenkt zu haben und dass all das nicht ausreichte, um einfach nur geliebt zu werden. Die Liebe sei gütig und langmütig, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles. So heißt es doch in der Bibel ...
24.5.12 08:05


Ich möchte zurückkehren. Zurückkehren wie nach einer langen Reise, auf der man sich irgendwie nur verlor. Vor wenigen Jahren dachte man noch, man suchte die Wurzel, einen Halt, Zugehörigkeit, vielleicht sogar Nationalität. Dann wurde gesagt: Heutzutage gibt es doch kaum einen Menschen ohne irgendeinen Migrationshintergrund. Das sagte ein Mädchen, das lediglich von Salzburg nach Wien gezogen war und auch in Wien leben ihre Verwandten. Aber das ist ja auch so eine Art Migration, wenn man so will und man kann über das Gefühl der Heimatlosigkeit lachen. Doch all das Suchen war nur ein Hirngespinst, denn man hatte bereits alles gefunden: Die Liebe, den Halt, die Musik, das Glück. Man war nur nicht bescheiden genug, sich damit zufrieden zu geben; und ich will präziser sein und schreiben: Ich war nicht bescheiden genug und so dahin geschrieben klingt es wie das furchtbare Eingeständnis einer großen Sünde, obwohl es nur Dummheit war, kindische Ungeduld, Unwissen, also die Unkenntnis über das eigene Glück. Aber Unwissenheit ist, sprichwörtlich, keine Entschuldigung und so bin und bleibe ich meinen Selbstvorwürfen ausgeliefert. Es war jedoch auch das Streben nach Freiheit und die Angst vor der Enge des Glücks. Es war, vielleicht war es vor allem Angst vorm Bleiben, Angst vor Bleibendem. Ich möchte zurückkehren, ja, dieses Gefühl ist da und sehr stark. Zurückkehren zu jenem Mädchen, das ich auf jenen Bildern war, über die jemand sagte: Da warst du glücklich. Doch ich kann mir keinen Zustand mehr vorstellen, der weiter von dem entfernt sein könnte. Und ich bin auch schon lange kein Mädchen mehr. Ich spüre, dass ich älter werde und dass vieles nicht mehr so leicht ist, was früher ein Spiel war. Ich kann nicht zurückkehren. Das ist mir klar und so bleibt die Melancholie im Rhythmus meiner Schritte, im Klang meiner Stimme und in der Grammatik meiner Sätze; die Melancholie, die jeden Schlusssatz abrundet, die Melancholie, die einen Satz zu einem Schlusssatz macht. Die Details meines Lebens interessieren mich nicht mehr. Sie scheinen austauschbar. Nur das Gefühl ändert sich nicht mit den Orten, es reagiert nicht auf neue Menschen, es vergisst nicht. Meine Emotionen lassen kaum Raum für Neues, egal wie viel Neues da auf mich einströmt und alles wird immer flüchtiger, als strömte alles ins Nichts, um ohne Bedeutung zu sein.
23.5.12 23:44





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