Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Letztes Feedback



http://myblog.de/miadalya

Gratis bloggen bei
myblog.de





Ich möchte zurückkehren. Zurückkehren wie nach einer langen Reise, auf der man sich irgendwie nur verlor. Vor wenigen Jahren dachte man noch, man suchte die Wurzel, einen Halt, Zugehörigkeit, vielleicht sogar Nationalität. Dann wurde gesagt: Heutzutage gibt es doch kaum einen Menschen ohne irgendeinen Migrationshintergrund. Das sagte ein Mädchen, das lediglich von Salzburg nach Wien gezogen war und auch in Wien leben ihre Verwandten. Aber das ist ja auch so eine Art Migration, wenn man so will und man kann über das Gefühl der Heimatlosigkeit lachen. Doch all das Suchen war nur ein Hirngespinst, denn man hatte bereits alles gefunden: Die Liebe, den Halt, die Musik, das Glück. Man war nur nicht bescheiden genug, sich damit zufrieden zu geben; und ich will präziser sein und schreiben: Ich war nicht bescheiden genug und so dahin geschrieben klingt es wie das furchtbare Eingeständnis einer großen Sünde, obwohl es nur Dummheit war, kindische Ungeduld, Unwissen, also die Unkenntnis über das eigene Glück. Aber Unwissenheit ist, sprichwörtlich, keine Entschuldigung und so bin und bleibe ich meinen Selbstvorwürfen ausgeliefert. Es war jedoch auch das Streben nach Freiheit und die Angst vor der Enge des Glücks. Es war, vielleicht war es vor allem Angst vorm Bleiben, Angst vor Bleibendem. Ich möchte zurückkehren, ja, dieses Gefühl ist da und sehr stark. Zurückkehren zu jenem Mädchen, das ich auf jenen Bildern war, über die jemand sagte: Da warst du glücklich. Doch ich kann mir keinen Zustand mehr vorstellen, der weiter von dem entfernt sein könnte. Und ich bin auch schon lange kein Mädchen mehr. Ich spüre, dass ich älter werde und dass vieles nicht mehr so leicht ist, was früher ein Spiel war. Ich kann nicht zurückkehren. Das ist mir klar und so bleibt die Melancholie im Rhythmus meiner Schritte, im Klang meiner Stimme und in der Grammatik meiner Sätze; die Melancholie, die jeden Schlusssatz abrundet, die Melancholie, die einen Satz zu einem Schlusssatz macht. Die Details meines Lebens interessieren mich nicht mehr. Sie scheinen austauschbar. Nur das Gefühl ändert sich nicht mit den Orten, es reagiert nicht auf neue Menschen, es vergisst nicht. Meine Emotionen lassen kaum Raum für Neues, egal wie viel Neues da auf mich einströmt und alles wird immer flüchtiger, als strömte alles ins Nichts, um ohne Bedeutung zu sein.
23.5.12 23:44
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung